Poker oder eSports – welche Industrie ist lukrativer?

Spielerisch zum Millionär werden, und zwar nicht mit Monopoly-Geld – wer träumt nicht davon?

Das Internet macht es möglich. Sogar 16-Jährige sind mittlerweile unter den eSportlern, die auf der Konsole oder dem Handy weltweit bei Meisterschaften kräftig abräumen. Um als Pokerspieler erfolgreich zu sein, müssen Zocker allerdings volljährig sein, ehe sie sich im Online-Casino oder in echten Spielbanken bei Turnieren anmelden dürfen.

Beide Industrien haben sich im Laufe der vergangenen Jahre zu immer populäreren Tummelplätzen für Spieler entwickelt, und entsprechend lukrativ sind sowohl Poker wie auch eSports geworden. Das gilt dank der Zuschauerzahlen und Übertragung in Live-Streams genauso für die Veranstalter wie für die Spieler.

Dabei dominieren einige Events, die mit Preisgeld in zweistelliger Millionenhöhe regelmäßig Schlagzeilen machen. Bei den eSports ganz vorn liegt „Dota 2“. Das in einer Fantasy-Welt angesiedelte Multiplayer Online Battle Arena Game ist seit mehreren Jahren die unangefochtene Nummer Eins bei den hochdotierten virtuellen Weltmeisterschaften. Im Spiel treten zwei Fraktionen gegeneinander an, um die feindliche Basis zu zerstören. Dabei haben sie es nicht nur miteinander zu tun, im 30-Sekunden-Takt werden von den Fraktionen zudem computergesteuerte Einheiten produziert, die Gegner und gegnerische Gebäude attackieren.

In der klassischen Mehrspielerpartie bestehen die Teams aus jeweils fünf menschlichen Spielern, die sich jeweils für einen von 115 Helden mit unterschiedlichen Talenten entscheiden. Um den Kampf um die Basis gewinnen zu können, kommt es daher nicht nur darauf an, dass sich die Teamkollegen untereinander auf eine Taktik abstimmen können. Auch die Auswahl der Charaktere macht einen Unterschied, um soviele sich ergänzende, wichtige Talente wie möglich in einer Mannschaft zu vereinen.

Seit 2012 wird „Dota 2: The International“ alljährlich ausgetragen. Dabei treffen die besten Teams aus weltweiten Ligen aufeinander, um in spannenden Kämpfen um Millionensummen zu zocken. Im Jahr 2015 lag „The International“ mit einem Preisgeld von insgesamt 18,43 Millionen US Dollar auf dem fünften Platz in der Rangliste der höchstdotierten eSports-Turniere. Ein Jahr später ging es auf Platz vier im Geldranking bereits um 20,77 Millionen Dollar, und bis 2019 war die Summe auf 34,33 Millionen Dollar und damit Platz eins gestiegen. In diesem Jahr wird „The International“ im August in Stockholm ausgetragen. Dabei treten 18 Teams aus aller Welt an, um ihren Teil des 40 Millionen schweren Preistopfs zu holen.

Die Weltmeisterschaft in dem Battle Royale Spiel „Fortnite“, bei dem bis zu 100 Zocker auf einer Map abgesetzt werden, um dort nach Waffen und Ausrüstungsgegenständen zu suchen und sich in Gefechten mit den Gegnern zu messen, bis nur ein einziger Spieler übrig bleibt, war 2019 sowohl im Solo- wie im Duo-Modus insgesamt jeweils knapp über 15 Millionen Dollar wert.

Auch bei den großen Pokerturnieren geht es um enorme Summen. Pius Heinz, der im Jahr 2011 als erster Deutscher bei der World Series of Poker (WSOP) in Las Vegas zum Weltmeister gekürt wurde, erhielt als Belohnung 8,7 Millionen Dollar. Der zweite deutsche Poker-Weltmeister, Hossein Ensan, kassierte 2019 in Las Vegas beim Main Event der WSOP sogar zehn Millionen Dollar. Der zweite und dritte Platz waren sechs, beziehungsweise vier Millionen Dollar wert. Aber bei einer Teilnehmerzahl im vier- oder gar fünfstelligen Bereich bei den großen Pokerturnieren sind die individuellen Chancen ungleich geringer.

Hinzu kommt, dass beim Pokern vor allem gute Mathematikkenntnisse und ein Gespür für Psychologie mitgebracht werden muss, um auf Dauer Erfolg zu haben. Erfahrene Pokerspieler wissen, dass sie es in erster Linie mit dem Gegner zu tun haben und erst in zweiter Linie mit den eigentlichen Karten. Nicht umsonst gilt die Binsenweisheit, dass die Spielregeln binnen Minuten gelernt werden können und es dennoch ein Lebenlang braucht, um Poker zu beherrschen.

Strategisch geht es zwar auch bei Videospielen wie „Dota 2“ und „Fortnite“ zu, aber aufgrund des schieren Umfangs des Spielegeschehens und dem Tempo, in dem Entscheidungen getroffen und Kommandos ausgeführt werden müssen, bleibt keine Zeit, um die Kontrahenten auf ihre persönlichen Schwächen und Stärken unter die Lupe zu nehmen.

Die Persönlichkeit macht ebenfalls einen großen Unterschied, wenn es darum geht, sich für ein geeignetes Spiel zu entscheiden. Beim Poker spielt jeder Zocker als einsamer Wolf gegen den Rest der Runde, mit dem Ziel, sie zu schlagen. Obwohl auch bei „Fortnite“ im Battle Royale Modus nur einer überleben kann, ist in den meisten Modi sehr viel Teamarbeit gefragt. Bei „Dota 2“ ist die Kooperation und das aufeinander abgestimmt sein das wichtigste Kriterium – etwas, was beim Poker undenkbar ist.

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