Kommentar: Free2Play nervt! Weg damit!

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Über den Kommentator:

Jürgen ist Chefredakteur von Spielesnacks.de und seit über 30 Jahren passionierter Gamer. Eigentlich. Doch seit ein paar Jahren macht ihm sein Hobby immer weniger Spaß. Schuld daran sind Free2Play-Spiele, also vermeintlich kostenlose Angebote. Warum ihn diese moderne Form der Monetarisierung unheimlich nervt, schreibt er hier nieder.


Ach ja, die Welt ist doch schön. Heutzutage muss man nichts mehr bezahlen, wenn man Games spielen will. Browsergames und Spiele-Apps erhält man für Umme. Einfach Einloggen (bei Browsergames) oder App herunterladen – los geht’s. Stundenlanger, wochenlanger oder gar monatelanger Spielspaß für 0 Euro. Herrlich.

So sieht zumindest die Theorie aus. In der Praxis bedeutet das aber: Man wird gegängelt, wo es nur geht.

Das nächste Level starten? Sorry, lieber Spieler, du musst jetzt drei Stunden warten oder fünf Rubine bezahlen. Das nächst bessere Auto in die Garage stellen? Tja, daraus wird erst einmal nichts. Du musst noch 20 Rennen fahren oder zehn Edelsteine ausgeben. Noch ein Match spielen? Klaro. Aber erst, nachdem du dir 30 Sekunden lang ein wild blinkendes und lautes Werbevideo angeschaut hast.

Während man früher Spiele einfach spielen konnte und so einen „Flow“ bekam, wird man heutzutage ständig ausgebremst.

DAS NERVT!

Wenn Games nicht nerven sollen, dann müssen wir in Goldmünzen, Diamanten, Lebenselixier oder andere virtuellen Währungen investieren. Für die muss man entweder altbekannte Dinge ständig wiederholen, Werbung ertragen oder den Geldbeutel öffnen. Von Items, die wenige Cent kosten, bis hin zu Paketen, die auch mal mit 99 Euro zu Buche schlagen, ist alles dabei.

HALLO, GEHT’S NOCH?

Nein, geht es nicht. Free2Play heißt die Devise. Spiele sind kostenlos zum Spielen – aber nur in der Theorie. In der Praxis bedeutet das, dass man uns über jede nur erdenkliche Art und Weise das Geld aus den Taschen ziehen will. Das mag nerven, aber:

WIR HABEN ES NICHT ANERS VERDIENT!

Ja, richtig. Wir, die Spieler, haben unser eigenes Hobby komplett versaut. Und die Industrie zahlt es uns nun heim. Das ist einfach eine gekonnte Retourkutsche. Die Rache für unsere Sünden aus der Vergangenheit.

WAS?

Richtig gehört: Wie löffeln nun die Suppe aus, die wir uns selbst eingebrockt haben. Und uns geschieht das ganz recht.

Denn: Jahrelang haben wir uns über die hohen Preise von Computer- und Videospielen beschwert. Anstatt die Leistung der Programmierer und Grafiker einfach anzuerkennen und dafür zu bezahlen, wurde wild raubkopiert. Selbst Apps für läppische 99 Cent findet man in Tauschbörsen. Alles, was nicht irgendwie niet- und nagelfest, klaut und kopiert der moderne „Homo Ludens“.

Doch auch Entwickler wollen leben. Sie haben Familien zu ernähren und brauchen ein Dach über dem Kopf. Wie sollen sie das bezahlen, wenn keiner ihre Spiele kauft? Entweder stellen sie den Betrieb ein und wir alle haben nichts mehr zum Daddeln. Oder sie geben dem Kunden das, was er haben möchte: kostenlose Games.

HA HA, EIN GUTER SCHERZ!

Nichts ist umsonst. Aber wir, die Konsumenten mögen das gerne glauben. Und wir tun das gerne. Sobald irgendwo „free“, „gratis“ oder „kostenlos“ steht, setzt unser Hirn aus. Die Freibiernasen bekommen das, was sie wollen.

Doch dafür wird nun anders bezahlt, zum Beispiel mit Gängelung. Spiele sind heute wie Privatfernsehen: Eine Aneinanderreihung von Werbepausen. Mal muss man Werbevideos oder blinkende Banner anschauen, mal wird man zum Kauf von Item X, Y oder Z ermuntert. Und das immer und immer wieder. An einen echten Spielfluss ist nicht mehr zu denken.

MACHT DAS SPASS?

Also mir nicht. Mir geht das gewaltig auf den Keks! Aber damit bin ich wohl allein im Walde der Verführungen. Immer mehr Entwickler und Publisher setzen auf das Free2Play-Prinzip. Nicht, weil sie es so wollen, sondern weil sie es MÜSSEN.

Wir, die Schnäppchen-Gamer und Sparfüchse, haben sie dazu getrieben. Angebot und Nachfrage nennt man das. Wenn keiner mehr ein paar Euro für ein Spiel bezahlen wird, muss das Geld eben anders verdient werden. Dass darunter der Spielspaß leider – nun ja, das ist eben die Konsequenz daraus. Wir, die Konsumenten, wollen es ja nicht anders.

KÖNNEN WIR ETWAS DARAN ÄNDERN?

Na klar. Kauft wieder mehr Spiele! Egal, ob Apps, PC-Downloads oder verpackte Games im Medienfachmarkt um die Ecke: Gebt wieder Geld für euer Hobby aus! Zeigt den Entwicklern, dass ihr ihre Arbeit schätzt. Sie haben es verdient.

Wie, euch ist das zu teuer? Dann denkt mal über die Verhältnismäßigkeiten nach. Ihr besitzt ein Smartphone im Wert von 300 bis 800 Euro, wollt aber keine 1,99€ für eine App ausgeben? Warum nicht?

Oder: Wie viel habt ihr für euren letzten Kinobesuch ausgegeben? Sicherlich 15 bis 20 Euro. Wie lange wurdet ihr dafür unterhalten? Zwei bis drei Stunden. Ein gutes PC- oder Konsolenspiel für 40-50 Euro bringt Spaß für viele Wochen oder gar Monate.

Das sollte euch euer Geld doch wert sein, oder?

WIE, NICHT?

Dann habt ihr es nicht besser verdient. Lasst euch von Free2Play-Games weiterhin nerven. Viel Spaß damit!

 

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2 Kommentare

  1. Loco am

    Sehr schöner Artikel, spricht mir aus der Seele.
    Ich bekomme das kotzen sobald ich free2play oder besser bezeichnet pay2win lese, da stellen sich bei mir die Nackenhaare auf.. lieber zahle ich für ein Game 40-60€ hab damit 50-200h Spielspass als dieses beschissene mogelpaket ala free2play.

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  2. Sehr guter Artikel. Es sollten sich noch mehr Stimmen erheben, denn als Entwickler hat man es im Moment sehr schwer gegen diese „Gratis-Angebote“ anzuprogrammieren.

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